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WSF 2007 - Berichte
- http://weltsozialforum.org
- Feministische Dialoge. Radiosendung
- Feature von Radio LoRa, Zürich
- Frauke Distelrath, Attac-Deutschland: "Das Weltsozialforum ist afrikanisch geworden"
- epo: Vernetzung mit Afrika: Das Weltsozialforum im Rückblick
- all4all: Eindruecke vom WSF 2007 in Nairobi
- Claudia Krieglsteiner (an.schläge): Die Welt in Nairobi
Ältere Texte zum WSF
- Corinna Genschel: Chance für feministische Politik? Die "Initiative für ein Berliner Sozialforum" (6 Seiten pdf)
- Christa Wichterich: WSF in Mumbai. Eindrücke aus feministischer Sicht
Eindrücke vom Weltsozialforum 2007
Weltsozialforum 2007
Das Weltsozialforum 2007 fand in Nairobi, Kenia statt. Mit 46.000 blieb die Zahl der TeilnehmerInnen deutlich unter den Zahlen der vergangenen Foren, andererseits waren afrikanische Gruppen deutlich präsenter. Von afrikanischen Frauen wurde vor allem bemerkt, dass Frauen im diesjährigen Forum eine größere Rolle spielten als bisher - auf allen Ebenen der Organisierung. Außerdem wurden eine Reihe neuer Netzwerke gegründet oder erweitert: der afrikanische Zweig des Netzwerkes für Steuergerechtigkeit "Tax Justice Network" und das Afrikanische Wassernetzwerk wurden gegründet, der Human Rights Focus des Forum wurde um 40 afrikanische Organisationen erweitert. Weiterer inhaltlicher Schwerpunkt war die Kampagne gegen geplanten bilateralen Wirtschaftsabkommen (Regional Economic Partnership Agreements / EPAs) zwischen der EU und den AKP-Staaten (Afrika, Karibik, Pazifik).
Frauen in Schwarz
"Gegen Abend des ersten Tages erschallt »Malibongwe« über den Platz. Das stammt aus der Xhosa- Sprache und bedeutet etwa »Lob den Frauen«. Die Frauen in Schwarz (Women in Black) sind nämlich da. Während immer wieder einzelne Frauen vortreten und ein Lied anstimmen, stehen die anderen im Kreis und halten Schilder in den Händen: »Entwicklung schafft Armut«, steht darauf, oder »Globalisierung ist Völkermord.« Es liegt viel Energie in der Luft. Aber auch viel Wut. »Wir wollen nicht nur über die Gewalt sprechen, die Frauen täglich erleben. Wir wollen auch über die Weisheit der Frauen sprechen, die durch ihre eigene Geschichte entstanden ist. Und darüber, dass auch Armut eine Geschichte hat«, sagt eine Frau aus Indien am Rande der Demonstration. Drinnen ruft derweil eine kleine, alte Frau, die alle respektvoll »Mama« nennen: »Es lebe die Frau! Nieder mit der Globalisierung!« Der Chor antwortet ihr vielstimmig."
(Haidy Damm im Neuen Deutschland)
Auch die Initiative der Nobelpreisträgerinnen (NWI) beteiligte sich am WSF 2007 (engl. Bericht):
"Jody Williams und Shirin Ebadi beteiligten sich mit Wangari Maathai in deren Heimatland an Workshops, Podiumsdiskussionen und einer Baumpflanzaktion für den Frieden auf dem Gelände des Forums, dem Moi Sportzentrums Kasarani.
Maathai eröffente die Posiumsdiskussion 'Frauen bauen eine andere Welt' mit der Anmerkung "Wir haben als Nobelpreisträgerinnen eine besondere Verantwortung, und auch als Frauen." Williams stellte die Arbeit der NWI vor (die aus einem ersten Treffen hier in Nairobi entstanden ist), der Preisträgerinnen, die sich zusammen getan haben, um das Prestige des Preises zu nutzen, um die Arbeit von Frauen zu beleuchten, die sich weltweit für Frieden und Gerechtigkeit einsetzen.
Maathai sprach über ihre Arbeit mit dem Green Belt Movement und betonte, wie wichtig es ist, dass sich ganz normale Menschen die Themen der heutigen Welt beschäftigen, vor allem mit der Klimaveränderung. "Auch wenn wir unsere Regierungen die Schuld zuweisen müssen, und denjenigen Industrieländern, die abgelehnt haben, gegen die Klimaveränderung aktiv zu werden, können wir auch aktiv werden. Regierungen können nur von einer starken Zivilgesellschaft zur Verantwortung gezogen werden."
Das Forum endete mit einem sehr gute besuchten Forum der sozialen Bewegungen
Aus der Schlußerklärung:
Wir, die sozialen Bewegungen aus ganz Afrika und von der ganzen Welt, sind hier in Nairobi zum Weltsozialforum 2007 zusammengekommen, um Afrika und seine sozialen Bewegungen zu beleuchten und zu feiern; Afrika und seine ungebrochene Tradition von Kämpfen gegen Fremdherrschaft, Kolonialismus und Neokolonialismus; Afrika und seine Beiträge zur Entwicklung der Menschheit; Afrika und seine Rolle auf der Suche nach einer anderen Welt.
Wir sind hier, um den Geist des Weltsozialforums als einen Raum des Kampfes und der Solidarität zu bekräftigen, eines öffentlichen Raumes, der allen Menschen offen steht, unabhängig von ihrer ökonomischen Leistungsfähigkeit.
Wir kritisieren die Tendenzen, das WSF zu kommerzialisieren, zu privatisieren und zu militarisieren. Hunderte unserer Brüder und Schwestern, die uns hier in Nairobi willkommen geheißen haben, sind durch die hohen Teilnahmekosten ausgeschlossen worden.
Wir sind auch sehr betroffen über die Präsenz von Organisationen, die gegen die Rechte der Frauen, der Randschichten und gegen das Recht auf sexuelle Vielfalt in offenem Widerspruch zur Charter des Weltsozialforums arbeiten. (...)
und ruft schließlich zur Teilnamen an den Protesten gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm auf.
Vernetzung mit Afrika: Das Weltsozialforum im Rückblick
"(...) Für die Frauenbewegung bot dieses Weltsozialforum die Möglichkeit, sich sehr viel stärker als bei früheren Treffen einzubringen. Die Tansanierin Enough Talk Aloo beschrieb ihre Erfahrungen so: "Anders als bei anderen Foren, wo unsere Stimmen von den größeren und stärkeren Solidaritätsbewegungen übertönt wurden, waren wir hier in Nairobi gewichtig vertreten. Wir waren in allen Gremien präsent, und wir konnten Frauenthemen mit anderen Themen wie Land, Wasser und Gesundheit verbinden. Was besonders wichtig war: Wir sprachen nicht nur zu den bereits von unseren Positionen Überzeugten, sondern engagierten uns auch in Gruppen, die früher Gender-Fragen in ihrer Arbeit nicht berücksichtigt hatten."
Zu den Themen, die von Frauen in das Weltsozialforum eingebracht wurden, gehörten unter anderem das Recht auf kostenlose Gesundheitsversorgung, die Probleme häuslicher Gewalt und die wirtschaftlichen Rechte von Frauen. Die iranische Frauenrechtlerin und Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi stellte als ein Ziel der Frauenbewegung dar: "Wir haben die Absicht, uns für Frieden und Gerechtigkeit einzusetzen, weil wir als Frauen einen sehr viel größeren Einfluss auf diesen Gebieten nehmen können." Die Möglichkeit zum Austausch und zur Vernetzung sowie die Begegnung mit Frauen aus anderen Teilen der Welt beim Weltsozialforum hat die afrikanische Frauenbewegung zweifellos deutlich gestärkt.
Angesichts der weiterhin hohen Verschuldung vieler afrikanischer Länder hatte dieses Thema einen gewichtigen Stellenwert in Nairobi. Die kenianische Nobelpreisträgerin Wangari Maathai erklärte bei einer Veranstaltung: "Die Schuldenkrise bleibt eines der entscheidenden Hindernisse im Kampf gegen die Armut auf dem afrikanischen Kontinent und ebenso in Asien und Lateinamerika." Wie andere Rednerinnen und Redner betonte Wangari Maathai den Kampf gegen illegitime Schulden: "Damit die illegitimen Schulden gestrichen werden, müssen Kirchen, Organisationen der Zivilgesellschaft und Parlamentsabgeordnete verstärkt Druck auf die politischen Führer im Norden und im Süden ausüben."
Charakteristisch für dieses Weltsozialforum war, dass Vertreterinnen und Vertreter der afrikanischen Kirchen und Zivilgesellschaften die eigenen Regierungen deutlich mitverantwortlich dafür machten, dass sich Entscheidungen und Aktivitäten ausländischer Regierungen, internationaler Institutionen wie der Weltbank und multinationaler Unternehmen so negativ auf die afrikanischen Gesellschaften auswirken. Der katholische Bischof von Machakos/Kenia, Martin Kivuvu, erklärte beim WSF: "Während wir Lobbyarbeit in geldgebenden Ländern dafür betreiben, Kenias Schulden zu streichen, sollten Regierung und Verwaltung für Transparenz in der Frage sorgen, wie die öffentlichen Gelder verwendet werden." (...)"
Quelle: entwicklungspolitik online, von Frank Kürschner-Pelkmann,







