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IFFF/WILPF

Die Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit ist eine internationale Nichtregierungsorganisation mit nationalen Sektionen in über 40 Ländern und allen Kontinenten dieser Welt. Die IFFF/WILPF besitzt Beraterstatus* bei verschiedenen Gremien der Vereinten Nationen (UN) mit einem internationalen Büro in Genf und einem New Yorker Büro, das sich vor allem der Arbeit der UN widmet.

WILPF ist die älteste Frauen-Friedensorganisation der Welt. Seit ihrer Gründung mitten im ersten Weltkrieg 1915 in Den Haag richtet sie sich gegen alle Formen von Krieg und Gewalt. Sie war maßgeblich an der Gründung der Vereinten Nationen (UN) beteiligt. Die IFFF/WILPF beteiligt sich an internationalen Kongressen und Weltfrauenkonferenzen und setzt sich auf nationaler Ebene für ihre Ziele ein. Mehr über WILPF ›

Aktion Aufschrei

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Neuigkeiten

24.04. 2007

Cindy Sheehan: Nummer 3291

Cindy Sheehan schreibt über ihre zufällige Begegnung mit der Tante des 3291. amerikanischen getöteten Soldaten im Irak-Krieg.

Durch Kriege eignen sich Nationen - im Falle eines Sieges - zusätzliches Territorium an. Sie nehmen es sich einfach. Das neue Territorium wird umgehend ausgebeutet und zwar durch einige Wenige - dieselben, die während des Krieges aus Blut Dollars herausrangen. Die Zeche zahlt die Allgemeinheit. Wie sieht diese Zeche aus? Es ist eine Schreckensbilanz. Neu errichtete Grabsteine, verkrüppelte Körper, verstörte Köpfe, gebrochene Herzen, zerstörte Heime, wirtschaftliche Instabilität, (Wirtschafts-)Depressionen und alles Elend, das damit einhergeht, Steuererhöhungen bis zum Gehtnichtmehr, über Generationen hinweg." Zitiert aus 'War is a Racket' von Generalmajor Smedley Butler[1].

Heute traf ich die Tante von Nummer 3291. Ich saß im Flugzeug - Sitz 11E. Eine Stewardess reichte mir einen Zettel von Sitz 33C. Die Notiz stammte von einer Frau: "Mein Neffe wurde gestern im Irak getötet. Ich möchte Sie gerne treffen".

Sitzgurtzeichen hin oder her, ich hechtete zurück in den hinteren Teil des Fliegers. Wir umarmten uns, sie fragte: "Was kann ich tun? Mein Bruder war auch in der Armee, er hat das Engagement ursprünglich unterstützt. Gestern hielt er ein Bild seines Sohnes hoch und gab zu verstehen: "Ermordet durch Bush"". Gestern habe ich zum Universum gebetet: Gib diesen Familien Kraft. Ich bete immer, wenn unsere Soldaten getötet werden. Ich bete auch für die Iraker und ihre Familien - denn auch sie werden sinnlos ermordet. Allerdings passiert es selten, dass ich die Leute, für die ich bete, so zeitnah treffe.

4 unserer tapferen, missbrauchten Soldaten starben in König Georges eskalierendem Konflikt im Irak. 10 starben zuvor am Osterwochenende - als sich George auf seiner Ranch in Crawford versteckte. Ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, haben George Bush und seine blutige Bande Kriegsgangster unendlich viel Schmerz und Leid über diese Welt gebracht. Die Tante von Nummer 3291 beschreibt, wie ihre Schwester am anderen Ende des Telefons "nach ihrem Sohn schrie". Die Familie fängt erst langsam an, zu begreifen, was es heißt, betrogen zu werden, das Herz gebrochen zu bekommen.

Nummer 3291 hat einen Namen: Brian. Das Einzige, was ich mit Sicherheit über ihn weiß, ist, dass er Angehöriger der US Army war. Vermutlich starb er durch eine improvisierte Sprengladung (IED). Dies wäre durch einen IED-Detektor in seinem Fahrzeug zu verhindern gewesen. Seine Tante Sheryl hat ihn sehr gemocht. Seine Familie lebt in North Carolina. Dorthin wird man seine Leiche schaffen - im Schutze der Dunkelheit, um die Schande des Bush-Regimes zu verhehlen.

Für seine Familie und seine Freunde wird Brian nie eine Nummer sein. Die Wenigen im Lande, die diesen Krieg, diesen Horror - unglaublicher Weise - immer noch unterstützen, werden sagen, "Freiheit hat eben ihren Preis", "er ging freiwillig". Wenn der viertausendste Soldat im Irak gestorben sein wird, wird die Antikriegsbewegung eine Lichterwache aus Kerzen abhalten und auch an Brian denken. Für den Passagier neben mir, im Sitz 11D, ist Brian kein Thema: Er enthält sich einer Meinung bezüglich der Okkupation, er habe "nicht die Zeit, mir darüber Sorgen zu machen". Glauben Sie mir, Brians Mutter hat sich Sorgen gemacht, die ganze Zeit, solange Brian im Irak war. 160 000 Mütter liegen nachts wach und sorgen sich um ihre Kinder. Oder denken wir an die irakischen Mütter, die nie wissen, ob der Gruß "ich liebe dich" zum letzten Mal erklungen ist.

Für mich ist Brian ein Symbol des Scheiterns. Mit aller Kraft und all meinen Ressourcen habe ich gekämpft, damit Mütter wie die Brians nicht schreiend vor Agonie zu Boden stürzen müssen, damit Menschen wie Tante Sheryl keinen traurigen, einsamen Flug quer durch die Staaten antreten müssen, um mit ihrer Familie eine solch furchtbare Situation zu betrauern. Seit mein Sohn Casey tot ist, überkommt mich bei jedem neuen Toten eine neue Woge des Schmerzes. Wie sollen meine Wunden je heilen, wenn Tag für Tag in drei Ländern so viele neue Wunden gerissen werden? Diese Länder werden gemäß der Bush-Doktrin zerstört. Diese richtet unermesslichen Schaden an - Bushs Krieg für Profite, der als Krieg gegen den Terror kaschiert wird.

Die Antikriegsbewegung hat in vielerlei Hinsicht versagt. Erstens gibt es in Amerika zu viele gleichgültige Menschen - wie der Passagier hier neben mir. Wie kann man nur so gleichgültig sein, angesichts all der Toten und der Zerstörung? Selbst die (noch) Verwirrten, die den Krieg nach wie vor unterstützen, haben zumindest eine Meinung. Zweitens hat die Antikriegsbewegung hinsichtlich ihres Einflusses auf den Gesetzgeber versagt. Wenn Gruppierungen wie MoveOn, die für die Okkupation sind, als "Antikriegslinke" gepriesen werden, wenn unsere Kongress-Führer auf solche Leute hören und deren korrupte Umfragen benutzen, um Republikaner, die theoretisch gegen den Krieg sind, weich zu klopfen, damit sie einem Gesetz zustimmen, das unsere Truppenpräsenz im Irak endlos ausdehnen würde, dann heißt das doch, die echte Friedensbewegung war nicht effektiv, sie hat ihre Botschaft nicht deutlich zum Ausdruck gebracht.

Ein weiteres Ziel der Antikriegsbewegung sollte es sein, die überwiegende Mehrheit der Amerikaner - die gegen die Irakbesatzung ist -, dazu zu bewegen, von der Couch aufzustehen und auf die Straße zu gehen. Die Führer unseres Landes profitieren auf geradezu obszöne Weise von der Kriegsmaschinerie und fühlen sich sehr, sehr wohl dabei. Nur eine massive Revolte an der Wahlurne kann diesen Kriegsprofiteuren ihr Geschäft verderben, nur eine Rebellion kann unsere gewählten Offiziellen dazu zwingen, uns zu vertreten - und nicht die Reichen.

Brians Familie, meine Familie und 3293 andere Familien - Militärfamilien - haben zuviel geopfert. Sie stehen emotional und finanziell ständig unter Strom - durch immer neue Verlegungsbefehle oder Verlegungsbereitschaftsalarme. Geopfert auf dem Altar der Gier. Das irakische Volk hat Bush nicht um Hilfe gebeten. Was für ein furchtbares Opfer erleidet das irakische Volk nun auf dem Altar des Imperialismus. Der Rest Amerikas ist nicht in demselben Maße betroffen. Ich arbeite daran, dass es so bleibt, dass sie nicht soviel opfern müssen wie etliche andere.

Wenn wir - als Nation - diese Farce, diesen falschen Patriotismus (der dazu dient, Krieg für Profite und Krieg für das Imperium zu rechtfertigen) beenden wollen, müssen wir zu Opfern bereit sein, die schmerzhaft sind. Es geht um einen reinigenden, erlösenden Akt - erlösend deshalb, weil er uns gewährleisten wird, dass alle Kinder dieser Welt gesund und sicher sind. Wenn wir uns allerdings nicht bemühen, den absoluten Würgegriff der Gewalt, der uns umfangen hält, zu lösen, haben wir verdient, was mit uns geschieht.

Unsere Bewegung muss sich in Richtung Frieden bewegen... um jeden Preis[2].

Anmerkung der Übersetzerin

[1] zu Generalmajor Butler (1881 - 1940) siehe en.wikipedia.org/wiki/Smedley_Butler
[2] Auf der Originalseite ist hier ein Link zu The Camp Casey Peace Institute.

 


Quelle:
CommonDreams.org / ZNet 15.04.2007


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