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Texte
- Antipatriarchales Netz/ Ariane Brenssell: Krieg ist Frieden: Feministisch – antipatriarchale Antikriegspolitik im globalen Norden. Friedensrhetorik – Kriegslogik
- Feministisches Institut der Heinrich-Böll-Stiftung: Feministische Theorieansätze in der Friedens- und Sicherheitspolitik. Perspektiven der Einflussnahme auf den UN-Sicherheitsrat (93 S. pdf)
”Nein-zur-Nato”-Aktivisten/Aktivistinnentagung in Berlin, 16.-18. Oktober 2009
Frauen gegen NATO
Cynthia Cockburn’s 5-minütige Präsentation, die sie stellvertretend für die existierenden Frauennetzwerke während des Plenums auf der ”Nein-zur-Nato” -Aktivistentagung in Berlin im Oktober 2009 (16.-18. Oktober 2009, Samstag nachmittag) hielt, wird hier wiedergegeben.
”Hallo. Es ist schön, hier wieder mit euch zusammensein zu können. Ich werde über und für eine Gruppe von circa vierzig Frauen sprechen, die an den ”Nein-zur-Nato”-Veranstaltungen im April in Strassburg teilnahmen. Sie folgten damit einem Aufruf einer Arbeitsgruppe aus drei bestehenden Frauennetzwerken: Der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit [Women’s International League for Peace and Freedom], Frauen und Leben auf der Erde [Women and Life on Earth], und der Frauen in Schwarz [Women in Black].
Bei den Demonstrationen in Strassburg hielten wir eine Mahnwache mit Teilnehmerinnen aus unseren Gruppen ab. Dabei tauschten wir Informationen darüber aus, welche Aktionen unsere ortsansässigen Gruppen in Spanien, Italien, Grossbritanien und in anderen Ländern gegen Militärbasen, Nuklearwaffen und den Krieg in Afghanistan unternommen hatten.
Seit unserem Treffen in Strassburg haben wir eine e-mail Liste ”Frauen-gegen-die-NATO” etabliert, die dazu dient, Frauen unserer Netzwerke, die ihre zukünftigen Aktionen gegen die NATO und die Militarisierung der Europäischen Union koordinieren wollen, besser zu vernetzen.
Einige von euch werden sich wundern, warum wir uns als Frauen organisieren wollen? Weshalb also Aktionen von Frauen und Workshops für Frauen? Ist das nicht negativ und auf Trennung abzielend? Das ist es absolut nicht! Wir nehmen der Bewegung nichts weg, sondern ergänzen sie durch etwas, das unbedingt miteinbezogen werden muss.
Feministinnen teilen die Kritik an der Nato mit anderer Gruppierungen: die Nato sie ist eine kriegstreibende Maschinerie, die schon vor langer Zeit hätte aufgelöst werden sollen. Die Natoerweiterung und der Krieg in Afghanistan sind vollkommen falsch und müssen beendet werden. Wir teilen die Ansichten der Hauptlinie der Friedensbewegung, wenn es um die Analyse von Kriegen geht. Ja, der weltweite Neokapitalismus ist ein Grund für Krieg. Ja, rassistischer Nationalismus ist ein Grund für Krieg.
Aber- wir erweitern die Analyse der Kriegsgründe durch eine neue Dimension. Komplett verstrickt in die Machtstrukturen des Kapitalismus und des Nationalismus existiert eine dritte Kontrollinstanz – verwurzelt, durchdringend und international. Es ist das Patriarchat; die Dominanz maskuliner Werte innerhalb der Gesellschaft. Dieses System setzt auf Hierarchien und konkurrierendes Verhalten. Werte wie Fürsorge und Versöhnung sind verpönt. Im allgemeinen Kulturverständnis tragen patriarchalen Strukturen dazu bei, dass Männer und Jungen zu Gewalt geradezu ermutigt werden. Wenn wir die Formen des Militarismus beenden wollen, müssen wir Gewalt im Kapitalismus, im Nationalismus, und die Gewalt, die innerhalb des Patriarchats herrscht, bewusster machen. Diese Bereiche dürfen nicht voneinander geschieden betrachtet werden.
Frauen können es nicht vermeiden, Gewalt als ein Kontinuum anzusehen. An dem einen Ende befindet sich die massive Gewalt der Kriege. An dem anderen Ende steht die tägliche häusliche Gewalt und die der Strasse. Unser Kampf richtet sich gehen das ganze Spektrum. Innerhalb dieses Spektrums ist irgendwo auch die Gewalt, die wir in Strassburg erleben und bezeugen konnten, angesiedelt. Hiermit ist nicht nur die polizeiliche Gewalt gemeint, sondern auch diejenige einiger Demonstranten. Die Bewertungen, die Frauen auf unserer Webseite über die Erlebnisse von Strassburg abgegeben haben, zeigen, dass viele den Eindruck hatten, dass die Demonstration grösseren Schaden als Nutzen eingebracht habe. Die Medien und auch die Ôffentlichkeit sah - ausser Rauch und Flammen - nichts von unserer Friedensbewegung.
Morgen vormittag hoffen wir eine Arbeitsgruppe hier abhalten zu können, in der wir Ideen darüber austauschen können, wie wir unsere feministische Position gegen die Nato entwickeln können. Es geht darum, wie wir mehr und mehr europäische Frauen in die aktive Opposition gegenüber der Militarisierung Europas einbeziehen können.
Wir hoffen, zukünftig koordinierte Frauenaktionen, sowohl in unseren Ländern, als auch international, zu planen. Dabei geht es zentral um die strukturelle Gewalt des Militarismus, die tägliche Gewalt gegen Frauen, und die Gewalt in unseren eigenen Bewegungen des politischen Protests.
Wir hoffen sehr, dass selbständige Aktionen von Frauen zum Kalendarium des Anti-Nato Protestes und des zivilen Widerstandes im kommenden Jahr beitragen werden. Wenn Du interessiert bist, komm’ einfach morgen vorbei – und lass’ Dich in unsere e-mail Liste aufnehmen. Vielen Dank.”
Der Report der Arbeitsgruppe über feministischen Antimilitarismus
vorgestellt von Ursula Gelis
Fünf Frauen nahmen an unserem Workshop teil. Sie repräsentierten fünf Organisationen aus vier Ländern. Die erste Frage, die wir diskutierten, lautete: warum wollen wir uns als Frauen organisieren? Zuerst einmal deshalb, weil Frauen spezielle Erfahrungen im Umgang mit Gewalt und Krieg haben, die sich in vielfacher Weise von denen, die Männer machen, unterscheiden. Wir wissen zudem, dass viele Frauen in Europa sich aktiv in der Friedensarbeit engagieren. Diese Aktivistinnen wollen wir erreichen, und wir sind der Meinung, dass sich unsere Netzwerke dafür sehr gut eignen.
In Verbindung mit ”Nein-zur-Nato” haben wir das spezifische Ziel, die Nato und die Militarisierung Europas sichtbarer, und besonders die Auswirkungen auf Frauen besser verständlich zu machen. Viele unserer Gruppen in den Netzwerken sind bereits in Bereichen aktiv, die mit der Nato im Zusammenhang stehen. Zum Beispiel demonstrieren sie gegen den Krieg in Afghanistan, an Produktions – und Lagerstätten von Nuklearwaffen, und gegen militärische Basen/Einrichtungen. Jetzt wollen wir eine effiziente Kommunikations- und Koordinationstruktur zwischen uns schaffen, um lokale Erkenntnisse und Aktionen in eine weitere Perspektive einzubinden, die die Nato als militärische Struktur entlarvt.
Zum zweiten haben Frauen ein weiter gefächertes Sicherheitsverständnis als dasjenige, welches in den internationalen Beziehungen massgebend ist. Für uns beinhaltet Sicherheit nicht nur die Sicherheit vor Krieg und Militarismus, sondern es geht ebenso auch um die Sicherheit im täglichen Leben, was die Freiheit von Hunger (freedom from hunger) und von häuslicher und zwischenmenschlicher Gewalt einschliesst.
Für uns ist Gewaltlosigkeit nicht verhandelbar. Wir sind eine gewaltlose Bewegung in dem Sinne, dass Gewaltlosigkeit nicht nur ein nützliches Mittel für uns ist, sondern das Ziel an sich darstellt. Es handelt sich nicht um passive, sondern um aktive Gewaltlosigkeit – viele unserer Gruppen sind in gewaltlose, direkte Aktionen des zivilen Widerstandes eingebunden, zum Beispiel in diejenigen, die an Militärbasen ausgeübt werden.
Der Stuttgarter Aufruf von 2008 lässt eine klare Aussage zur Gewaltlosigkeit vermissen. Wir möchten deshalb darauf bestehen, dass bei der Bearbeitung des Aufrufs eine solche Erklärung aufgenommen wird.
Zukünftige Aktionen: wir planen, an der Entwicklung unserer e-mail Liste ”Frauen-gegen-die-Nato” im kommenden Jahr weiterzuarbeiten. Wir hoffen, unsere örtlichen Aktivitäten besser koordinieren zu können und besonders viele Frauen zu erreichen. Wir möchten darum bitten, dass einige unserer Namen auf der e-mail Liste von ”Nein-zur-Nato” aufgeführt bleiben, damit wir informiert werden, auch weil uns daran gelegen ist, mit den Aktionen und Aktivitäten von ”Nein-zur-Nato” verbunden zu bleiben.
1000 Friedensfrauen Weltweit
100 Jahre, nachdem Berta von Suttner als erste Frau den Friedensnobelpreis verliehen bekam, sind 2005 1000 Frauen aus über 150 Ländern gemeinsam für den berühmten Preis nominiert worden. Das Projekt hat jede Friedensfrau in dem 2000-seitigen Buch "1000 PeaceWomen Across the Globe" portraitiert. Jetzt sind Mitglieder von Women and Life on Earth mit anderen dabei, dieses Werk einem deutschsprachigen Publikum vorzustellen.
Mehr über das Projekt 1000 Friedensfrauen
Archive 2007
Antimilitarismus und Feminismus in der Türkei
Ein Interview von Gisela Notz mit der Bewegungsaktivistin Ferda Ülker für die Zeitschrift Graswurzelrevolution (GWR) im August 2007.
Ferda Ülker lebt in der türkischen Millionenstadt Izmir. Seit Anfang der neunziger Jahre engagiert sich die antimilitaristische Feministin in den sozialen Bewegungen.
GWR: Du stellst Dich selbst als Feministin und Antimilitaristin vor. In Deutschland sind diese Begriffe aus der Mode gekommen. Warum verwendest Du sie weiter?
Ferda Ülker: Ich kenne die Diskussion aus Deutschland nicht, die Frauen dazu bewegt, sich von diesen Begriffen abzuwenden. Ich kann das nur mit Erstaunen zur Kenntnis nehmen.
Ich stelle mich immer noch als Feministin und Antimilitaristin vor, weil ich es immer noch bin.
Ich begreife auch die hinter diesen Begriffen stehenden Konzepte von gesellschaftlicher Analyse für die gesamte Gesellschaft für wichtig, nicht nur für mich als Frau. Mindestens für die Türkei, ein Land, das so vom Militarismus durchdrungen ist, dass er uns jeden Tag im Leben begegnet, prägt und in die Schranken weist, sind Feminismus und Antimilitarismus Konzepte, die Antworten auf viele Fragen geben können.
Ich bin davon überzeugt, dass wir eine gewaltfreie und freiheitliche Gesellschaft nur erreichen, wenn sich das emanzipatorische Verständnis, das dem Feminismus innewohnt, allgemein durchsetzt. Der Antimilitarismus mag ein notwendiges Phänom von Gesellschaften sein, die wie die Türkei eine Militärdiktatur hinter sich haben. Feminismus ist aber ein notwendiger Prozess durch den jede Gesellschaft gehen muss, wenn sie eine freie Gesellschaft werden soll.
Wir blicken auch in der Türkei stolz auf die Erfolge der Frauenbewegung, aber wir werden auch immer noch mit vielen Vorurteilen bedacht und ‘Feministin’ ist in weiten Kreisen immer noch ein Schimpfwort.
Ich nenne mich zusammen mit einer Gruppe von weiteren Frauen ’anfem’ - antimilitaristische Feministin -, um die unheilvolle Verbindung von Patriarchat und Militarismus aufzuzeigen, die eine entsprechende Gegenbewegung erfordert. Damit wollen wir auch aufzeigen, dass Militarismus kein Männerthema und Kriegsdienstverweigerung nicht nur für Männer eine Handlungsoption ist. So haben wir als Frauen uns öffentlich verweigert, dem Krieg zu dienen.
Das ganze Interview
Frauen für Frieden beim WSF 2007
Beim diesjährigen Weltsozialforum waren Frauen mit vielen Aktivitäten für den Frieden präsent. Wir haben einige Fotos zusammengestellt.
Archive 2006
Hiroshima Tag 2006 und der Krieg in Libanon
Eine öffentlichen Lesung zum Hiroshima-Tag 06 in Wien von Claudia von Werlhof, Univ. Innsbruck.
Sie schreibt uns: "Ich finde, man muss die Interessenslage klarstellen, die diesen Krieg leiten." mehr..
Der Sturm auf das Gefängnis in Jericho ist ein Skandal
Pressemitteilung von Luisa Morgantini, Vorsitzende der Kommission für Entwicklung des Europa-Parlaments
Brüssel, 14. März 2006
Die Eskalation der Gewalt, die wir heute mit der Erstürmung des Gefängnisses in Jericho durch die Israelische Armee erleben, ist ein Skandal. Mit brutaler Gewalt dringt Israel immer wieder in palästinensisches Gebiet ein, um zu töten und zu quälen, und verletzt dabei zynisch Recht und Gesetz. Diesmal kann die israelische Armee nicht einmal als Entschuldigung anführen, sie habe auf einen Angriff reagiert. Die Haltung Israels offenbart nichts weiter als die erbarmungslose und grausame Logik von Blutrache und brutaler Kolonialherrschaft. mehr..
Brandstifter Biedermänner, oder Der Krieg beginnt in den Köpfen
Maria Mies im Februar 2006:
"Unter der obigen Überschrift schrieb ich vor genau vor einem Jahr, als der Mord von Theo van Gogh die Gemüter in Europa erhitzte, einen Artikel. In diesem Artikel bezeichnete ich Van Gogh als Brandstifter, denn er wusste, was er tat, als er meinte, er müsste mit seinem Film die muslimischen Frauen befreien. Vor nicht zwei Wochen strahlte CNN eine Filmserie aus über die „European Identity Crisis“. In dieser Reihe wurde die Geschichte um Van Gogh und seine bewusste Provokation, eine Sure auf einen nackten Frauenkörper zu projizieren noch einmal ausführlich dargestellt, einschließlich der brennenden Moscheen und Kirchen. Und der Filmer wurde als großer Held der europäischen Werte gefeiert.
Heute sind es die Karikaturen des Propheten Mohammed, dessen Turban in einer Bombe endet, veröffentlicht in einer dänischen Zeitung, die in der ganzen muslimischen Welt Empörung, eine Eskalation der Gewalt und die Forderung nach öffentlicher Entschuldigung durch die dänische Regierung nach sich zieht, was diese ablehnt"... mehr..
Anläßlich des Internationalen Frauentags 2006:
Natürlich sagen wir NEIN ZUM KRIEG und schließen uns damit den Tausenden von Frauen an, deren Aufruf heute, am Internationalen Tag der Frau, der Öffentlichkeit übergeben wird.
Aber wir meinen: DAS REICHT NICHT. Es reicht nicht, dass wir Frauen sagen: es reicht. Wir müssen der Allianz der machtverblendeten Politiker, der profitbesessenen Konzernherren, der waffengeilen Militärs etwas entgegensetzen: unseren WIDERSTAND, unsere lösungsorientierte EINMISCHUNG und unseren unbedingten FRIEDENSWILLEN. mehr..
Die Mütter der Plaza de Mayo:
Seit einem Vierteljahrhundert haben die Mütter der Plaza de Mayo einmal im Jahr 24 Stunden am Stück gegen die Verbrechen der argentinischen Diktatur protestiert. Am 25. Januar zum letzten Mal.
(TAZ Bericht aus Buenos Aires)
1000 Frauen für den Friedensnobelpreis 2005
Frauen in Schwarz: internationale Reportagen
Konstruktive Konfliktlösung mit Kindern
ARCHIV 1999-2005
