Zehn gute Gründe gegen Gentechnik

  1. Bisher ist die genaue Wirkung der Mechanismen, mit denen bei Pflanzen und Tieren das Erbgut verändert wird, unklar. Immer wieder tauchen bei gentechnisch veränderten Pflanzen unerwartete Eigenschaften auf.
  2. Freigesetzte gentechnisch veränderte Organismen schaden der Umwelt. Bereits jetzt zeigt sich, dass der Anbau von GVOs zu Artenrückgang führt und neue resistente „Super-Unkräuter“ entstehen. Von Gen-Pflanzen produzierte Gifte reichern sich im Boden an.
  3. Forscher haben noch nicht geklärt, wie sich der Verzehr von GVO langfristig auf die menschliche Gesundheit auswirkt. Es hat keine Versuche gegeben. Somit werden alle Konsumenten zu Testpersonen gemacht.
  4. Besonders bedenklich sind die Antibiotika-Resistenzen, die in viele bisher entwickelte Gen-Pflanzen eingebaut wurden. Sie können auf Bakterien übergehen und resistente Keime hervorbringen.
  5. Sind GVO ausgebracht, lassen sie sich nicht einmal mit extrem großem Aufwand aus der Umwelt entfernen.
  6. Schon bei einem geringen Ausmaß an Genpflanzen-Anbau können die Verbraucher nicht mehr frei wählen, was sie essen. Denn Pollenflug und Verunreinigungen im Saatgut erschweren einen gentechnikfreien Anbau gleichartiger Pflanzen ganz erheblich.
  7. Keiner will für die möglichen Schäden der gentechnisch veränderten Pflanzen aufkommen, nicht die Industrie, die sie herstellt, nicht der Bauern, der sie anbaut, und auch keine Versicherung.
  8. Gentechnisch veränderte Pflanzen können patentiert werden und bieten den Konzernen gänzlich neue Möglichkeiten der Marktbeherrschung. Landwirten und Verbrauchern drohen neue Abhängigkeiten.
  9. Für die Hersteller von gentechnikfreien Lebensmitteln bedeutet der Anbau von GVOs in der Nachbarschaft erhebliche Mehrkosten für Analytik und Qualitätssicherung.
  10. Die Agro-Gentechnik gefährdet Arbeitsplätze, denn sie ist eine Rationalisierungstechnologie. Der Wettbewerbsdruck auf die mittelständischen Saatzuchtunternehmen wird Zusammenschlüsse und Übernahmen begünstigen.

(Quelle: www.keine-gentechnik.de)

Biologische Lebensmittel

Was ist Bio?

Der Leitgedanke der biologischen Landwirtschaft ist, höchste Lebensmittelqualität durch schonende Nutzung von Landschaft, Rohstoffen und Energie zu gewinnen.
In der Praxis bedeutet das:

-- Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und auf leicht lösliche mineralische Düngemittel
-- Erhaltung der Bodengesundheit und -fruchtbarkeit durch schonende Bodenbearbeitung, natürliche Dünger und ausgewogene Fruchtfolge
-- Förderung der natürlichen Regulationsmechanismen und Selbstheilungsprozesse in intakten Ökosystemen (Nützlingsförderung)
-- Verzicht auf den Einsatz von Gentechnik in allen Bereichen des Biolandbaus
-- Artgerechte Tierhaltung und Fütterung mit biologischem Futter

Biolandwirtschaft erfolgt nach klaren gesetzlich vorgeschriebenen Richtlinien! Im gesamten EU Raum gilt die EU-Verordnung 2092/91. Die Einhaltung dieser Richtlinien wird bei Biobauern, aber auch bei Verarbeitern und Händlern mindestens 1x jährlich von unabhängigen, staatlich autorisierten Kontrollstellen überprüft. 

Ist Bio wirklich besser?

Ist Bio wirklich besser?

Eine groß angelegte Vergleichsstudie von Lebensmitteln biologischer und konventioneller Herkunft belegt, dass bioaktive Substanzen bessere Ergebnisse bei Geschmackstests erlangen und deutlich weniger Rückstände vonPestiziden enthalten. Eine ERnährung mit biologisch angebauten Produkten kann das Immunsystemstärtken und unterstützt so die Abwehrkräfte. Außerdem ist Bio-Ernährung förderlich für stillende Mütter.
Alles rund um Bio (Richtlinien, Kurzdarstellung Anbauverbände, Infos...)

Detaillierte Infos für Produzenten, Verarbeiter, Handel, Verbraucher, Kinder

Infos allgemeiner Natur, Rezepte

Warum ist Bio teurer?

Durch Verzicht auf chemische Pflanzenschutzmittel haben Bio-Bauern einen größeren Arbeitsaufwand und geringere Einträg, wodurch diese teurer werden. In der Tierhaltung entstehen durch Verfüttern von eigenem "Bio-Futter" und einer artgerechten Haltung, in der Tiere mehr Raum beanspruchen, höhere Kosten.
Bericht von Bioland mit weiteren Informationen für einen wirklich ehrlichen Preisvergleich und ausserdem Tips, möglichst günstig Bio-Produkte einzukaufen mit Adobe Reader zum downloaden (eine Seite)
Weitere Geründe für höhere Preise von Bio-Produkten

Bio zahlt sich aus!

Letztendlich sind konventionell erzeugte Produkte nur vordergründig günstiger als biologische Lebensmittel: Denn versteckte Kosten, die aus der Beseitigung von Umweltschäden oder aus der Verwaltung vor Überschüssen entstehen, müssen ebenfalls berücksichtigt werden. Ein weiteres Beispiel sind hohe Arzneimittelkosten, durch Krankheitskeime, die Resistenzen entwickeln aufgrund der Behandlung der Tiere mit Antibiotika, wodurch Nahrungsmittelallergien zunehmen.
Billige Lebensmittel um jeden Preis? "...scheinbar preiswerte Lebensmittel kosten den Steuerzahler Geld, das an anderer Stelle von ihm verlangt wird."

Preiswert: Nur ein kleiner Spritzer eines hochwertigen Essig oder Öl von Bio-Qualität genügt zum Verfeinern von Speisen...
Vorschläge und Rezepte

Insgesamt sollte man natürlich langfristig denken: Je größer die Anzahl der Leute, die im Bioladen einkaufen, je mehr werden die Kosten gesenkt!

Gesundheitsrisiko Obst

Obst und Gemüse sind in Deutschland zur Hälfte mit Giftrückständen belastet

Alles sollte immer frisch und knackig aussehen, doch hinter der appetitlichen Schale stecken unzählige Gifte. Das bestätigt die Europäische Kommission in ihren Ergebnissen von 46000 Proben aus dem Jahre 2002.
Dort wird auch mehr still als laut berichtet, dass ein "Gesundheitsrisiko nicht ausgeschlossen werden kann, insbesondere bei anfälligen Gruppen".

Professorin Irene Witte beschäftigt sich damit, wie die Chemiecocktails in Obst und Gemüse wirken. Ihre Ergebnisse sind nicht minder ernüchternd: Auch wenn einzelne Komponenten ungefährlich sind, können sie mit anderen Chemikalien zusammen plötzlich toxisch wirken.
Deutschland schneidet bei den Ergebnissen so schlecht ab, da 60 Prozent aller Früchte importiert werden, und Produkte aus Spanien oder Marokko deutlich höher belastet sind als einheimische. Eigentlich sollte Obst und Gemüse freu von Chemie sein, doch der Preisdruck bei den Händlern ist enorm, denn der Verbraucher will Schnäppchen.

Darum raten wir zu Bio-Obst, denn Ökolandwirte haben sich verpflichtet, keine Ackergifte einzusetzten. Bauern, die konventionell wirtschaften, versprühen dagegen auf Äckern und in Gewächshäusern im Jahr rund 30000 Tonnen Pflanzenschutzmittel. Es ist vielleicht etwas teurer, aber "handeln kostet immer Geld." (taz, 3.8.04)

Weitere wichtige und informative Links zum Thema bei:
Greenpeace: Welche Früchte sind besonders gefährdet
natur+kosmos: Wie giftig sind Obst und Gemüse
schrot und korn: Gefährdung für Kinder

Maria Mies: Die Subsistenzperspektive

Interview, 2005

" (...)Zunächst einmal möchte ich betonen, dass die Subsistenzperspektive und die Subsistenzgesellschaften und -ökonomien nicht von selber verschwunden sind, sondern das ist gemacht worden, das waren ganz bewusste Politiken. Die Subsistenzgesellschaften haben vor dem Zweiten Weltkrieg noch überall existiert, und zwar auf dem Land und in der Stadt. Bei uns (in Deutschland) waren die Kleinbauern diejenigen, die den größten Teil der Nahrung herstellten und die Bevölkerung versorgten. Aber dann gab es auch in den Städten, zu meinem Erstaunen sogar in den USA, Subsistenzproduktion in vielfältiger Weise..."
Der ganze Text (4 Seiten, pdf)

WLOE-Frauenfrühstücksrunde "Frauen, Öko-Landwirtschaft und -Essen"

Bericht von der Women and Life on Earth "Frauenfrühstücksrunde" (über Frauen, Öko-Landwirtschaft und -Essen), 28. April 2004
Referentin: Silvia Bender, Leiterin des Berliner Büros von Bioland, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit, Marketing und Verarbeiterbetreuung

Stand der Regelungen in Deutschland und EU
Seit dem 18. April 2004 besteht eine EU-weite Kennzeichnungspflicht für Nahrungsmittel, die gentechnisch veränderte Organismen (GVO) enthalten. Ausgenommen sind Produkte von Tieren, die mit GVO-Produkten gefüttert wurden. Auch "zufällige" Verunreinigungen fallen nicht unter die Kennzeichnungspflicht. Verstöße gegen die Verordnung sind bisher straffrei, weil noch keine Einigung über die Strafe erreicht wurde.

Form der Kennzeichnung
Gentechnisch veränderte Zutaten sind mit einem kleinen Sternchen in der Inhaltsstoffliste des Produkts zu versehen. Wenn der Verbraucher kein Sternchen findet, weiß er immer noch nicht, ob nicht i.S. der og. Regelung doch vielleicht gentechnisch veränderte Produkte enthalten sind. Verbraucherfreundlicher wäre ein alternativer Ansatz, nach dem wirklich gentechnik-freie Produkte als solche gekennzeichnet sind. Die Umsetzung ist riskant, weil illegal (Seehofer-Verordnung). Einige Firmen wollen es trotzdem versuchen. Und zwar in Form von Aufklebern, um nicht die ganze Verpackung verändern zu müssen. Dann muß man abwarten, ob sich jemand daran stört. Bisher gibt es keine einheitliches, gemeinsames Symbol. Bioland propagiert ein Symbol in Anlehnung an die Schilder für Landwirte "Wir arbeiten ohne Gentechnik." Demeter u.a. ziehen nach.
Der konventionelle Bereich tut noch nichts. Bisher gibt es 30,000 Schilder. Die Formulierung "arbeiten ohne" wurde deshalb gewählt, weil Verunreinigungen, die aus anliegenden GVO-Feldern kommen, in Zukunft nicht komplett ausgeschlossen werden können. Eine Formulierung wie "Gentechnik-frei" könnte somit Kritik anziehen, wie etwa die "Dreckkampagne" aus den Achtzigern.

Richtlinien für Saatgut
Es fehlt noch eine Saatgutrichtlinie. Der aktuelle Vorstoß, eine Verunreinigung von bis zu 0,7 % zuzulassen, würde bedeuten, dass pro Hektar mehrere 100 qm verunreinigt sein können. Bei Soja wurde die Grenze auf 0,5% herabgesetzt. Die Kommission, die auch die Macht hat, ihre Vorschläge durchzusetzen, spricht sich für 0,3-0,5% bei anderem Saatgut aus. Bioverbände wollen erreichen, dass Saatgut mit über 0,1 % Verunreinigung nicht mehr als gentechnikfreies gehandelt werden darf. Dies entspricht der aktuellen Messbarkeitsgrenze, man spricht dann von "technisch rein". Mit steigender Sensitivität der Nachweistechnologie würde nach diesem Vorschlag dementsprechend die Grenze für die Bezeichnung als "technisch rein" sinken. Bioland verzichtet auf Selbstverpflichtung, um den Staat nicht aus der Verantwortung zu entlassen.

Verfügbarkeit von Bio-Saatgut und fiese Tricks der Saatgutkonzerne
Trotz aller Bemühungen kommt es immer noch zu Engpässen beim Bio-Saatgut, weswegen auch im Bioanbau häufig konventionelles Saatgut eingesetzt werden muss. Die Saatgutherstellung spielt sich in einem komplexen System ab, unterliegt extrem strengen Richtlinien und ist sehr aufwendig. Die Zertifizierung wird z.B. schon aberkannt, sobald zwei Unkrautpflanzen auf dem Acker stehen. Allein von Bio kann kein Züchter überleben, weil der Umsatz zu gering ist. Gerade in den Bereichen, wo nicht viel Saatgut gebraucht wird, lohnt sich die Herstellung von Bio-Saatgut einfach nicht. Beispielsweise Hopfen kann man nicht vermehren, wenn in der selben Region etwas anderes mit Hopfen gemacht wird. Zur Sicherstellung der Qualität muss der Bauer die Kosten für die Kontrolle tragen, was natürlich an die Verbraucher weitergeleitet wird. Die Überprüfung, ob überhaupt Verunreinigung vorliegt, ist billiger als zu messen, wie viel genau drin ist. Die wenigen großen Saatgutzüchter wie Monsanto & co. haben großes Interesse dran, GVO zu verbreiten. Kürzlich wurden unaufgefordert kostenlose Probepäckchen mit genetisch verändertem Saatgut an Landwirte verschickt, vor allem in Bayern. Vermutlich ist dies Teil einer Strategie, um den Widerstand der Bevölkerung gegen GVO zu brechen. Die Konzerne spekulieren wahrscheinlich darauf, dass durch die Aussaat dieser Proben die Landschaft dann ohnehin so belastet sein wird, dass eine allgemeine Gleichgültigkeit gegenüber irgendwelchen Grenzwerten entstehen könnte. Eigentlich dürfen solche Proben gar nicht verschickt werden, weil es noch keine wirkliche Regelung in der Saatgutverordnung gibt. Bioland versucht eines der Päckchen als Beweismaterial habhaft zu werden, um rechtlich gegen diese Praxis vorgehen zu können. Die Marketing-Praktiken der Saatgutkonzerne ähneln denen von Drogendealern, die ihre Konsumenten von sich abhängig machen.

Gentechnisch verändertes Saatgut und die Politik
EU-Vorgabe ist, dass die Gesetzeslage bis zum 1.8. geklärt sein muss. Eine EU-Harmonisierung wird es nicht geben. Die EU gibt lediglich Leitlinien zur Sicherung der Koexistenz vor, die in den einzelnen Ländern gesetzlich umgesetzt werden sollen. Ähnlich wie bei der EU-Bioverordnung ist abzusehen, dass es 26 verschiedene Regelungen geben wird. Renate Künast hat einen Gesetzesvorschlag zum Umgang mit GVO vorgelegt, "mit dem man leben könnte." Durch ein Papier der CDU mit 150 Veränderungsvorschlägen, die sich teilweise auf einzelne Wörter beziehen, wird der Entscheidungsprozess blockiert. So wird verhindert, dass die Praxis des Umgangs mit GVO überhaupt definiert wird. Nach Willen der CDU sollen Landwirte, die mit Gentechnik arbeiten, nicht für Schäden haftbar gemacht werden können, z.B. durch Verunreinigungen der Ernte von gentechnikfreien Bauern. Es gibt auch keine Versicherungsgesellschaft, die bereit wäre, diese Art von Schäden zu versichern, was es sonst bisher nur bei Atomkraftwerken gegeben hat. Statt dessen setzt sich die CDU für die Einrichtung eines verbraucherfinanzierten Haftungsfonds ein, wobei die Verbraucher wohlgemerkt zu 70% gegen Gentechnik sind. Solche Fonds können eingerichtet werden, um Vorhaben von "hohem gesellschaftlichen Interesse" abzudecken. Das Gesetzespaket soll aufgeteilt werden, in einen abstimmungspflichtigen und einem nicht abstimmungspflichtigen Teil. Die Gesetze zur Haftungsfrage müssen auf jeden Fall im Bundesrat abgestimmt werden. Insgesamt ist abzusehen, dass das Gesetz nicht so streng wird, wie erhofft. Der Ausgang ist ungewiss, weil auf den Verhandlungen im Bundesrat die Verhandlungen über die Gentechnik-Gesetze mit anderen Themen verstrickt sind, d.h. dass eventuell ein Entgegenkommen der Opposition in anderen Bereichen gegen ihre Zustimmung bei der Gentechnikverordnung getauscht wird.

Wann kommt das gv Saatgut?
Jedes Saatgut muß erst von der EU zugelassen werden, dann kann es in Deutschland auf die Saatgutliste kommen, was in der Regel eins zu eins passiert. Bisher sind auf EU-Ebene neun Sorten zugelassen, und weitere Anträge liegen massenweise vor. Prinzipiell muß für jede Sorte Unbedenklichkeit für Gesundheit und Umwelt nachgewiesen werden. In Deutschland ist in diesem Jahr noch kein kommerzieller Anbau von gv Saatgut zu erwarten, weil die Sorten noch nicht weit genug entwickelt bzw. zugelassen sind. Am weitesten fortgeschritten sind Mais und Raps. Gv Raps stellt für Imker eine besondere Bedrohung dar, die ihre Bienen trotz aller Koexistenz nicht an die Leine nehmen können. Eine starke Imker-Lobby gegen Raps könnte womöglich erreichen, dass in der EU gv Mais gar nicht zugelassen wird. So weigert sich z.B. Belgien komplett gegen den gv Raps. Dennoch ist momentan noch nicht abzusehen, wie die Verhandlungen ausgehen werden und wie die Wettbewerbsvorteile und -nachteile eingeschätzt werden. Aus anderen Ländern gibt es bereits Erfahrungen mit den verheerenden Folgen des Anbaus von gv Pflanzen, die beispielsweise zum Aussterben bestimmter Schmetterlingsarten in der betroffenen Region geführt haben. In vielen EU ländern, z.B. Skandinavien und den Beitrittsländern, gibt es noch nicht einmal nennenswerte Diskussionen zum Anbau von GVO. Womöglich haben andere Länder noch gar keine Saatgutlisten wie Deutschland.

Testanbau in Deutschland
In Deutschland wird der Versuchsanbau vom Max-Planck Institut kontrolliert. Das Institut teilt Flächen zu, und gibt bekannt, von welcher Firma auf wie viel Fläche wie viel von welcher Sorte angebaut wird. Die tatsächlichen Orte werden allerdings geheim gehalten. Angeblich besteht ein hohes gesellschaftliches Interesse daran, dass diese Versuche stattfinden.Es gibt auf jeden Fall Versuchsfelder auch in Brandenburg. Eine geplante Großversuchsanlage in Sachsen-Anhalt ist am Widerstand der Bauern gescheitert.

Wie gehen Landwirte mit dem Thema Gentechnik um?
Nach ersten Umfragen scheinen in Brandenburg jeweils 10% der Landwirte für bzw. gegen den Anbau GVO zu sein, der Rest unentschieden. Am 18.3. gab es erste größere Kundgebungen und Demos, die fortgesetzt werden sollen. Es gibt inzwischen zahlreiche Initiativen "gentechnikfreie Zonen", wobei sich Landwirte - durchaus auch konventionell arbeitende - einer Region zusammenschließen, und erklären, dass sie nicht mit Gentechnik arbeiten. In Bayern sind elf, in Baden-Württemberg einige, in der Uckermarck und Märkisch-Oderland eine solche Initiative bekannt. Info dazu gibt es im Internet unter www.fairenachbarschaft.de. Diese Zonen müssen im Rahmen der Koexistenz akzeptiert werden, zunächst für ein Jahr. Momentan haben sie keine rechtliche Bindung, sondern vor allem politisches Gewicht. Am 11.6. soll das "Aktionsbündnis gegen Gentechnik" in Brandenburg offiziell gegründet werden, mit BUND als Hauptbeteiligtem. Die Veranstaltung mit Schwerpunkt auf Gentechnikfreie Regionen und Landwirtschaft und zur Sensibilisierung für die Thematik wird in Potsdam stattfinden. Der BUND plant eine Kampagne, wenn die ersten Produkte auf den Markt kommen. Greenpeace und Foodwatch setzen McDonalds unter Druck, gentechnikfreie Burger anzubieten. McDonalds hat Importe von US-Weizen aus Angst vor Verunreinigung gestoppt. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass selbst Konzerne auch Kundenwünsche ernst nehmen. Die US-Verbraucher haben große Hoffnungen in den Widerstand der EU gesetzt, der aber leider nicht so stark ist wie erhofft. Einzelne Länder, z.B. Angola, haben sich bisher gegen den GVO Anbau gewehrt, aber auch ihr Widerstand wird nicht stand halten, wenn die EU versagt.

Hindernisse für den Handel, der ohne GVO arbeiten will
Für die Hersteller und Händler ist es nicht einfach, komplett frei von GVO-Produkten zu bleiben, da alles miteinander verstrickt ist. Beispielsweise ist eine Rewe-Kampagne für gentechnikfreies Schweinefleisch gescheitert, weil der größte Futterlieferant Raiffeisenpunkt sich weigerte, gentechnikfreies Futter zu liefern. Das wichtige Futtermittel Soja ist inzwischen bis zu 56% gentechnisch verändert, v.a. Flächen in Argentinien. Bei Transporten ist es ebenfalls schwer, eine saubere Linie durchzuhalten. Es ist bisher unklar, inwiefern Verunreinigungen durch Tierfütterung verbreitet werden. Zum jetzigen Zeitpunkt können die Langzeitfolgen unmöglich realistisch eingeschätzt werden.

Was können Verbraucher gegen Gentechnik tun?

-An erster Stelle keine Produkte mit gentechnisch veränderten Inhaltsstoffen kaufen (Brille mitnehmen!).
-Im Geschäft sagen, dass man solche Produkte nicht will.
-Einkaufen anhand einer von Greenpeace erarbeiteten Liste von Unternehmen die sich verpflichtet haben, ohne Gentechnik zu arbeiten.
-Wahljahr in Deutschland! Kommunal-, Landtags-, Bundestagsabgeordnete konfrontieren. Den Entscheidungsträgern klar mitteilen, dass man gegen den Anbau von GVO ist, z.B. mit einer Postkarte von save our seeds, oder anderen Briefen, die verschiedene Initiativen vorbereitet haben.
-Den Verbraucherschutz kontaktieren.

März 2005: Ökologie in der Türkei

Im Gespräch: Öykü Kaygusuz von Ökobrücke Deutschland-Türkei e.V.

Öykü Kaygusuz bei einer WLOE- Veranstaltung im März 2005Der Verein Ökobrücke Deutschland- Türkei e.V. wurde von türkischen Migranten 2003 in Deutschland gegründet. Bestehend aus Bioladenbesitzern und ökologisch engagierten Menschen, wollen sie unter anderem türkische Bioprodukte fördern. Eine von ihnen ist Öykü Kaygusuz.

Öykü Kaygusuz verfolgt bei Ökobrücke Deutschland- Türkei eine Vision: ,,Ökobrücke verfolgt die Vision mit der Umweltbewegung in der Türkei etwas aufzubauen und die Migranten in Deutschland für Umweltthemen zu sensibilisieren. Es geht um eine umweltverträglichere Lebensweise, ob man nun Bioprodukte isst oder mit einem emissionsgeringeren Verkehrsmittel fährt."
Sie beschrieb die Einstellung und das Potenzial von Türken gegenüber Bioprodukten: ,,Viele Lebensmittel in den Läden der Türken sind meist aus der Türkei und aus konventionellem Anbau. Es wäre falsch zu sagen, dass türkische Produkte ökologischer sind. Die Türkei wird aber immer ökologischer. Das Landwirtschaftsministerium hat eine Abteilung für ökologischen Landbau eingerichtet. Viele Produkte in den Bioläden Deutschlands sind aus der Türkei. Es gibt sehr viele natürliche Landschaften, aber einige der Bauern arbeiten noch sehr viel mit Chemie, weil ihnen die Informationen fehlen. Den biologischen Landbau betreiben Bauern, die ihn als Markt entdeckt haben. Sie haben bemerkt, dass sie so viel besser ihre Lebensmittel ins Ausland verkaufen können. Sie machen es auch aus Überzeugung, weil sie wissen, dass es gesünder ist und besser schmeckt."

Die Anzahl der neu eröffneten Bioläden steigt in der Türkei. Besonders in größeren Städten achten die Menschen meist auf gesündere Nahrung. ,,Das ist auch der Grund, warum wir die Ökobrücke-Deutschland e.V. gegründet haben, weil es in der Türkei  gute Ansätze gibt, die sich allerdings noch im Anfangsstadium befinden. Türkische Bioladenbesitzer öffneten ihre Läden in der Hoffnung, dass Migranten ein Umweltbewusstsein entwickeln und ökologischer leben. Aber momentan ist es noch nicht erforscht, wie sich die Türken bei ihrem Einkauf verhalten. Es gibt Kampagnen, die gesundheitsbewusstere Ernährung untersuchen. Eine davon ist,,ECHT GERECHT CLEVER KAUFEN". Hier werden aber häufig die Migranten nicht berücksichtigt. Der Verein Ökobrücke hat bereits ein Projekt mit dem Namen  ,,BIO FÜR TÜRKEN" ins Leben gerufen. Mittels einer Umfrage soll aufgezeigt werden, wie viel Interesse die türkischen Migranten an einer ökologischen Lebensweise haben. Die Mittel des Vereins sind jedoch begrenzt und das Interesse der Menschen auch."

,,Den meisten Deutschen ist nicht bewusst, dass 61% der in der Türkei erzeugten Bioprodukte wie getrocknete Feigen, Nüsse und Zitrusfrüchte nach Deutschland importiert werden. Sie wissen auch nichts von ökologische Organisationen wie Bugday (Weizen) in der Türkei, die sich sehr gut entwickelt haben und sogar das Landwirtschaftsministerium über Ökologie berät. Es gibt zum Beispiel ein Projekt, in dem Studierende, mit dem nötigen Fachwissen über ökologischen Landbau, bei Bauern praktische Erfahrungen sammeln können. Sie wohnen bei diesen Bauern kostenlos und als Gegenleistung helfen sie bei der Bepflanzung, Bewässerung und der Ernte mit. Damit werden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Die Bauern lernen neue Wege und  Mittel der Bepflanzung kennen, und die Studenten können praktisch aktiv werden, anstatt sich nur mit der Theorie zu beschäftigen."

Aber es gibt natürlich noch viele Probleme in der Türkei. ,,Erschwerend wirkt, dass die Umweltpolitik in der Türkei erst später eingesetzt hat, als es im Westen der Fall war. Erst 1982 wurde das Umweltgesetz verabschiedet." Das Problem, das Öykü Kaygusuz sieht, ist, dass ,,die Umweltpolitik stark mit den anderen Bereichen wie zum Beispiel mit dem Energie- und dem Wirtschaftssektor konkurriert. Das Umweltministerium wurde aufgelöst und mit dem Forstministerium verbunden. Beides überschneidet sich sehr stark mit anderen Ämtern, wie dem staatlichen Wasseramt. Es kann sich nicht durchsetzten, weil viele Instrumente und Gesetze schwach sind. Die Umweltverbände befinden sich noch im Krabbelstadium. Es gibt zwar viele Initiativen, die sich für die Umwelt interessieren, aber genauso wie in Deutschland, leben die Verbände von Mitgliedsbeiträgen und haben nicht genügend Ressourcen.
Die Existenz dieser Vereine ist dennoch sehr wichtig. Das Landwirtschaftsministerium lässt sich von dem Verein Buday beraten, weil sie das nötige Fachwissen über Ökolandbau brauchen." Die Türkei sei auch bestrebt, Teil der Europäischen Union zu werden und setzt somit viele EU- Direktiven um. In ökologischer Hinsicht ist die EU allerdings nicht streng genug, so Öykü Kaygusuz. ,,Es gibt eine neue Direktive, dass man alle Flächen lediglich ausweisen muss und einen bestimmten Abstand zu "sauberen" Flächen halten muss, um genmanipulierte Organismen anbauen zu dürfen. Insofern werden biologische Anbauprodukte nicht genug geschützt und Bio- Bauern fürchten ebenfalls die Verbreitung von genmanipulierten Pflanzen." 

Es gibt sicherlich Probleme in der Türkei in ökologischer Hinsicht, aber dank der engagierten Vereine wie Buday und Ökobrücke Deutschland- Türkei e.V. kann man sich darauf verlassen, dass Bioprodukte einen Platz neben konventionellen Produkten in der Gesellschaft einnehmen werden.